SolarrechnerRate berechnen

Wärmepumpe und Photovoltaik kombinieren

Stand: 08.2026

Photovoltaik und Wärmepumpe gelten als Traumpaar des Neubaus, und das stimmt, aber aus einem anderen Grund als oft behauptet. Der Nutzen liegt nicht darin, dass die Sonne im Winter heizt, denn das tut sie kaum. Er liegt darin, dass die Wärmepumpe den Solarstrom verbraucht, den du sonst für 7,70 ct verschenken würdest.

Warum die Kombination rechnet

Eine PV-Anlage allein hat ein Problem: Sie erzeugt am meisten, wenn im Haus am wenigsten los ist. Ein Haushalt ohne Wärmepumpe nutzt deshalb nur rund 30 % des eigenen Stroms selbst, der Rest fließt zur niedrigen Vergütung ins Netz.

Die Wärmepumpe ändert das grundlegend, weil sie den Jahresstromverbrauch etwa verdoppelt:

ohne Wärmepumpe mit Wärmepumpe
Jahresstromverbrauch rund 4.500 kWh rund 6.500 kWh
davon aus der eigenen 10-kWp-Anlage rund 2.900 kWh rund 4.200 kWh
Ersparnis Eigenverbrauch rund 870 € rund 1.260 €
Rest zur Einspeisung rund 7.100 kWh rund 5.800 kWh

Der zusätzliche Verbrauch kostet dich also nicht mehr Geld, sondern verwandelt schlecht vergüteten Einspeisestrom in gut gesparten Eigenverbrauch. Genau deshalb rechnen sich beide Anlagen gemeinsam besser als jede für sich.

Die ehrliche Winterlücke

Was die Kombination nicht kann: den Winter tragen. Der Heizbedarf ist von November bis Februar am höchsten, der Solarertrag am niedrigsten. In diesen Monaten liefert eine 10-kWp-Anlage vielleicht 20 bis 30 kWh am Tag im Sommer, aber nur 2 bis 8 kWh im Winter.

Realistisch deckt die PV-Anlage deshalb rund 25 bis 35 % des Wärmepumpenstroms über das Jahr, konzentriert auf Frühjahr und Herbst. Wer etwas anderes verspricht, rechnet mit Sommerwerten. Die Kombination ist trotzdem sinnvoll; sie ist nur keine Heizkostenbefreiung.

Was du bei der Planung beachtest

Die Anlage größer auslegen. Mit Wärmepumpe sind 10 bis 12 kWp sinnvoll statt 8. Der Mehrpreis je zusätzlichem Kilowattpeak sinkt mit der Anlagengröße, siehe PV-Kosten.

SG-Ready beachten. Wärmepumpen mit SG-Ready-Schnittstelle können vom Energiemanagementsystem angesteuert werden: Sie heizen genau dann, wenn die Sonne scheint, und laden den Pufferspeicher als thermischen Speicher vor. Das hebt den Eigenverbrauch spürbar und kostet bei Neugeräten meist nichts extra, muss aber angeschlossen und konfiguriert werden.

Der Pufferspeicher ist der günstigste Speicher. Warmwasser zu speichern kostet einen Bruchteil dessen, was Strom zu speichern kostet. Wer den Warmwasserspeicher mittags mit Solarstrom auf höhere Temperatur bringt, verschiebt Energie in den Abend, ohne eine Batterie zu kaufen.

Wärmepumpentarif gegenrechnen. Viele Versorger bieten für Wärmepumpen einen günstigeren Arbeitspreis über einen separaten Zähler. Das schmälert den Vorteil des Eigenverbrauchs, weil der ersetzte Netzstrom billiger ist. Ob sich der zweite Zähler lohnt, hängt vom Tarif und vom Solaranteil ab; beim hohen PV-Anteil ist der gemeinsame Zähler oft besser.

Reihenfolge im Neubau: Wärmepumpe, PV und Speicher gehören in eine Planung und ins selbe Angebot, sonst passen Schnittstellen und Steuerung nicht zusammen. Details unter Photovoltaik im Neubau und Wärmepumpe im Neubau.

Und das E-Auto?

Wenn du beides hast, wird die Rechnung noch besser: Ein E-Auto verbraucht bei durchschnittlicher Fahrleistung rund 2.500 bis 3.500 kWh im Jahr und lässt sich anders als die Heizung zeitlich frei verschieben. Wer tagsüber lädt, nutzt Solarstrom fast eins zu eins.

Eine Wallbox mit Überschussladen lädt automatisch nur mit dem Strom, der sonst ins Netz ginge. Das ist die wirtschaftlichste Form der Eigenverbrauchssteigerung überhaupt, weil sie ohne Batteriekauf auskommt, und deshalb gehört das Leerrohr zur Garage in jeden Neubau. Details dazu unter Wallbox und Photovoltaik.

Häufige Fragen

Heizt die Photovoltaik meine Wärmepumpe im Winter? Nur zu einem kleinen Teil. Über das Jahr deckt eine typische Anlage rund 25 bis 35 % des Wärmepumpenstroms, im Dezember und Januar aber deutlich weniger. Der Nutzen der Kombination liegt in Frühjahr, Herbst und Warmwasserbereitung im Sommer.

Brauche ich einen Speicher, wenn ich eine Wärmepumpe habe? Nicht zwingend. Die Wärmepumpe hebt den Eigenverbrauch bereits deutlich, und der Warmwasserspeicher wirkt als billiger thermischer Speicher. Ein Batteriespeicher bringt zusätzliche Autarkie, rechnet sich aber weiterhin knapp, siehe Stromspeicher.

Wie groß sollte die Anlage mit Wärmepumpe sein? 10 bis 12 kWp sind für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe sinnvoll, bei zusätzlichem E-Auto eher mehr. Begrenzend ist meist nicht der Bedarf, sondern die Dachfläche.

Lohnt sich ein separater Wärmepumpentarif? Er senkt den Arbeitspreis für den Heizstrom, verlangt aber einen zweiten Zähler und macht den Eigenverbrauch weniger wertvoll. Bei hohem Solaranteil ist der gemeinsame Zähler oft die einfachere und günstigere Lösung; rechne beide Varianten mit deinem konkreten Tarif durch.


Quellen: Verbrauchs- und Deckungswerte sind Modellrechnungen für ein Einfamilienhaus mit rund 140 m² auf Effizienzhaus-Niveau, Stand 08.2026; Vergütungssätze nach Bundesnetzagentur. Der tatsächliche Solaranteil am Heizstrom hängt stark von Gebäudestandard, Heizsystem und Nutzerverhalten ab.

HausbauAtlas-Redaktion. Sorgfältig recherchiert, alle Angaben ohne Gewähr.