Photovoltaik auf dem Satteldach
Stand: 08.2026
Das Satteldach ist die häufigste Dachform in Deutschland und für Photovoltaik eine gute Ausgangslage: zwei große, ungeteilte Flächen, eine Neigung im optimalen Bereich und kaum Verschnitt. Die eigentliche Entscheidung ist eine andere, nämlich ob du eine Seite belegst oder beide.
Wie viel passt drauf?
Für ein typisches Einfamilienhaus mit 140 m² Wohnfläche, rund 90 m² Grundfläche und 40 Grad Dachneigung:
| je Dachseite | |
|---|---|
| Bruttofläche | rund 58 m² |
| nutzbar nach Abzügen | rund 46 m² |
| installierbare Leistung | rund 9 kWp |
| Jahresertrag bei Südlage | rund 9.000 kWh |
Abgezogen sind Randabstände zu Traufe, First und Ortgang sowie übliche Dachaufbauten. Als Faustzahl brauchst du etwa 5 m² je kWp; von der Bruttofläche bleiben typisch 75 bis 85 % übrig.
Bei Ost-West-Ausrichtung lassen sich beide Seiten belegen, in Summe also rund 18 kWp. Ob das sinnvoll ist, hängt weniger vom Dach ab als vom Verbrauch im Haus, siehe Photovoltaik-Kosten.
Süd oder Ost-West: die Kernfrage
Zeigt eine Dachseite nach Süden, ist die Sache einfach: Diese Seite wird belegt, die Nordseite bleibt frei. Steht das Haus dagegen mit dem First in Nord-Süd-Richtung, hast du eine Ost- und eine Westseite, und beide funktionieren.
| Südseite allein | Ost und West zusammen | |
|---|---|---|
| Leistung | rund 9 kWp | rund 18 kWp |
| Ertrag je kWp | 100 % | rund 85 % |
| Jahresertrag gesamt | rund 9.000 kWh | rund 15.300 kWh |
| Erzeugung | Mittagsspitze | morgens und abends |
Die Ost-West-Variante liefert also deutlich mehr Strom insgesamt, obwohl jedes einzelne Modul weniger bringt. Der zweite Vorteil wiegt oft schwerer: Die Erzeugung verteilt sich über den Tag statt sich mittags zu bündeln, wenn niemand zu Hause ist. Weil selbst genutzter Strom rund viermal so viel wert ist wie eingespeister, ist ein Ost-West-Satteldach kein Nachteil, sondern häufig die wirtschaftlichere Konstellation.
Die Neigung ist unkritisch
Satteldächer haben typisch 30 bis 45 Grad Neigung. Das Optimum liegt bei 30 bis 35 Grad, aber der Unterschied ist klein:
| Neigung | Ertrag gegenüber Optimum |
|---|---|
| 30–35° | 100 % |
| 40° | rund 98 % |
| 45° | rund 96 % |
| 50° | rund 93 % |
Kein Grund also, wegen der Photovoltaik am Dachwinkel zu drehen. Die Ausrichtung ist wichtiger als die Neigung, und beides ist weniger wichtig als eine freie, unverschattete Fläche.
Worauf du beim Satteldach achtest
Gauben und Dachfenster auf die schlechtere Seite. Wer im Entwurf Schleppgaube und Dachflächenfenster nach Norden legt, hält die Südseite frei. Das kostet nichts und bringt mehrere Kilowattpeak.
Der Kamin gehört an den First, nicht in die Fläche. Ein Schornstein mitten in der Südfläche kostet nicht nur seinen eigenen Platz, sondern wirft im Tagesverlauf einen wandernden Schatten.
Dachsanierung zuerst. Steht die Neueindeckung in den nächsten Jahren an, gehört sie vor die Montage; sonst zahlst du Abbau und Wiederaufbau der Anlage.
Indach statt Aufdach prüfen. Beim Neubau ersetzen Indach-Module die Eindeckung; der Aufpreis ist klein, weil die Ziegel darunter entfallen. Details unter Photovoltaik im Neubau.
Häufige Fragen
Lohnt sich die Nordseite eines Satteldachs? In der Regel nicht. Bei 30 bis 45 Grad Neigung liefert die Nordseite nur rund 60 % oder weniger des Optimums, bei voller Investition je Modul. Sinnvoller ist es, die Südseite voll zu belegen und den Rest über Speicher oder zusätzliche Verbraucher zu nutzen.
Wie viele Module passen auf eine Dachseite? Bei rund 46 m² nutzbarer Fläche und modernen Modulen mit etwa 1,8 m² sind das rund 25 Module, was je nach Modulleistung etwa 9 bis 11 kWp ergibt. Die genaue Zahl hängt vom Modulformat und der Verlegerichtung ab, hoch oder quer.
Muss ich beide Dachseiten gleichzeitig belegen? Nein, technisch lässt sich später erweitern. Wirtschaftlich ist es aber meist besser, gleich beide Seiten zu machen: Gerüst, Anfahrt, Planung und Netzanmeldung fallen nur einmal an, und der Preis je kWp sinkt deutlich.
Zurück zur Übersicht: Dachform und Photovoltaik. Was die Dachformen im Bau kosten, steht im Dachformen-Vergleich.
Quellen: Ertragsfaktoren nach PVGIS (Standort Deutschland); Flächen- und Leistungsangaben sind gerechnete Richtwerte für ein Standard-Einfamilienhaus, Stand 08.2026. Verbindlich ist die Auslegung durch den Fachbetrieb.
HausbauAtlas-Redaktion. Sorgfältig recherchiert, alle Angaben ohne Gewähr.