Photovoltaik auf dem Mansarddach
Stand: 08.2026
Das Mansarddach ist ein Sonderfall: Jede Dachseite hat zwei Neigungen, einen steilen unteren Teil von 60 bis 70 Grad und einen flachen oberen Teil von 20 bis 30 Grad. Für Photovoltaik zählt praktisch nur der obere Bereich, und das begrenzt die mögliche Anlage deutlich.
Warum der steile Teil ausfällt
Bei 60 bis 70 Grad Neigung steht ein Modul fast senkrecht. In deutschen Breiten liefert eine so steile Südfläche nur noch rund 70 bis 75 % des Optimums, eine Ost- oder Westfläche deutlich weniger. Dazu kommen drei praktische Probleme:
- Selbstverschattung: Der obere Dachteil und die Dachkante werfen im Tagesverlauf Schatten auf die steile Fläche.
- Montage: Auf einer 65-Grad-Fläche ist jede Montage aufwendiger und teurer.
- Gauben: Der steile Bereich ist genau der, in dem beim Mansarddach traditionell die Gauben und Fenster sitzen, weil dahinter der Wohnraum liegt.
In Summe: Der steile Teil ist technisch belegbar, wirtschaftlich aber selten sinnvoll. Eine Ausnahme sind Winterstromspitzen, denn steil stehende Module fangen die flache Wintersonne besser ein; für die Jahresbilanz eines Einfamilienhauses trägt das jedoch wenig.
Wie viel oben übrig bleibt
Der obere, flachere Dachteil liegt mit 20 bis 30 Grad direkt im guten Bereich, ist aber deutlich kleiner als eine vergleichbare Satteldachfläche. Für ein Haus mit rund 90 m² Grundfläche:
| Mansarddach, oberer Teil | Satteldach zum Vergleich | |
|---|---|---|
| nutzbare Fläche je Seite | rund 22 m² | rund 46 m² |
| Leistung je Seite | rund 4,5 kWp | rund 9 kWp |
| beide Seiten belegt | rund 9 kWp | rund 18 kWp |
Grob gesagt bleibt beim Mansarddach etwa die Hälfte der Leistung eines Satteldachs gleicher Grundfläche. Rund 4,5 kWp auf der Südseite reichen für den Grundbedarf eines Haushalts; für Wärmepumpe und E-Auto solltest du beide Seiten belegen.
Was du planen kannst
Beide oberen Flächen belegen. Weil die Einzelflächen klein sind, lohnt fast immer die Doppelbelegung. Bei Ost-West-Lage verteilt sich die Erzeugung zusätzlich günstig über den Tag.
Gauben bündeln. Wer noch plant, legt Gauben und Dachfenster in den steilen Bereich, denn der ist für PV ohnehin verloren, und hält den oberen Teil frei. Das ist beim Mansarddach besonders wirksam, weil die obere Fläche so knapp ist.
Nebengebäude einbeziehen. Garage oder Carport bieten oft eine größere zusammenhängende Fläche als der obere Mansardteil. Beim Mansarddach ist das kein Notbehelf, sondern häufig der Hauptteil der Anlage.
Denkmalschutz prüfen. Mansarddächer stehen überdurchschnittlich oft an historischen Gebäuden. Wo Denkmalschutz greift, ist eine Anlage auf der Straßenseite meist ausgeschlossen; auf der Rückseite oder auf Nebengebäuden ist sie es oft nicht. Frag die Untere Denkmalschutzbehörde vor der Planung.
Häufige Fragen
Kann ich den steilen Teil des Mansarddachs überhaupt belegen? Technisch ja, wirtschaftlich selten. Bei 60 bis 70 Grad liefert selbst eine Südfläche nur rund 70 bis 75 % des Optimums, und die Montage ist teurer. Sinnvoll ist es fast nur, wenn der obere Teil bereits voll belegt ist und zusätzlicher Strombedarf besteht.
Wie viel kWp passen aufs Mansarddach? Auf dem oberen Dachteil eines Einfamilienhauses rund 4,5 kWp je Seite, bei beidseitiger Belegung also etwa 9 kWp. Das ist ungefähr die Hälfte dessen, was ein Satteldach gleicher Grundfläche hergibt.
Ist ein Mansarddach ein Ausschlussgrund für die Solarpflicht? Nein. Die Länderregelungen und das GModG verlangen einen Anteil der geeigneten Dachfläche; der steile Bereich zählt in der Regel nicht dazu. Was genau gefordert ist, steht unter Solarpflicht; im Zweifel entscheidet die Bauaufsichtsbehörde.
Zurück zur Übersicht: Dachform und Photovoltaik. Was die Dachformen im Bau kosten, steht im Dachformen-Vergleich.
Quellen: Ertragsfaktoren nach PVGIS (Standort Deutschland); Flächen- und Leistungsangaben sind gerechnete Richtwerte für ein Standard-Einfamilienhaus, Stand 08.2026. Verbindlich ist die Auslegung durch den Fachbetrieb.
HausbauAtlas-Redaktion. Sorgfältig recherchiert, alle Angaben ohne Gewähr.